Wofür wir stehen:
Kritisch schauen wir auf die Etablierung der Pastoralen
Räume in unserer Diözese Würzburg: Die Schaffung einer zusätzlichen Ebene
erschwert die Mitgestaltungsmöglichkeiten der Laien, die durch die Taufe
vollwertige Glieder der Kirche sind: Kaum jemand kann sich zugleich im
Gemeindeteam, im Pfarrgemeinderat der Untergliederung und im Rat im Raum
kompetent einbringen. Diese Komplexität bindet auch mehr hauptamtliche
Ressourcen als durch Synergieeffekte beim raumweiten Einsatz des pastoralen
Personals freiwerden. Und sie zerstört Motivation und Einsatzfreude.
Wir beobachten eine unbefriedigende Aufteilung der Pastoral:
Auf der einen Seite organisieren die immer weniger werdenden Hauptamtlichen
raumweit eine (immer schmaler werdende) pastorale Grundversorgung, während auf
der anderen Seite Ehrenamtliche (nur noch) in ihren Gemeinden ergänzend aktiv
werden, oder auch nicht (mehr). Seelsorgende verlieren den Gemeindebezug und werden zu Anbietern raumweit definierter und
standardisierter Seelsorgeangebote. Ehrenamtliche gestalten aufgrund der
Komplexität und Größe der Pastoralen Räume pastorale Zukunftsentwicklungen
nicht mehr mit. Gemeindeentwicklung findet auf diese Weise nicht mehr statt.
Im Blick auf diese Entwicklung sagen wir NEIN:
- Wir lehnen eine Zentralisierung und Vereinheitlichung der
Pastoralen Praxis in den Pastoralen Räumen ab und fördern die
Eigenverantwortung jeder Gemeinde.
- Wir sagen Nein zu einem Versorgungsdenken und sehen uns als
Begleiter, Inspirator und Motivator derer, die ihr Christsein in der Gemeinde
aktiv leben.
- Wir werden keine weiteren Aufgaben mehr übernehmen, die
letztlich unsere Kräfte übersteigen und uns überfordern.
- Wir lehnen eine rein hierarchische Kirchenstruktur ab. Die Beauftragung zur Gemeindeleitung geschieht im Einvernehmen
von Diözesanleitung und Kirchengemeinde.
- Missstände in unserer Kirche dürfen nicht vertuscht werden.
Wir treten ein für Transparenz und einen ehrlichen Umgang miteinander.
Wir sagen JA:
- Wir setzen uns ein für synodale Strukturen in unserer Kirche
und akzeptieren die Entscheidungen der gewählten Gremien. Auf das in der
Satzung der Pfarrgemeinderäte verankerte Vetorecht des Pfarrers verzichten wir.
- Gemeindeleitung soll in neuen Modellen durch Männer und
Frauen im Team wahrgenommen werden.
- Jede Kirchengemeinde hat ein Anrecht auf die sonntägliche
Messfeier. Wir setzen uns dafür ein, dass dieses ermöglicht wird, unabhängig
von der Verfügbarkeit eines Priesters im bisherigen Format (siehe Modell
„Teampriester“ bzw. „Lobingermodell“).
- Wir stärken in den Gemeinden das Bewusstsein, gemeinsam
Träger der Liturgie zu sein, zum Beispiel durch die Einladung an alle
Mitfeiernden, die Einsetzungsworte gemeinsam zu sprechen.
- Wir stehen zu den Priestern, die wegen des Zölibates aus
ihrem Amt ausgeschieden sind. Wir ermöglichen Ihnen, sich in der Kirche zu
engagieren. Wir setzen uns dafür ein, dass sie wieder ins Amt zurückkehren
können.
- Wir fördern Charismen in den Gemeinden, auch und besonders
solche für den Dienst der Gottesdienstleitung, der Gestaltung von Beisetzungen,
der Taufspendung und der Eheassistenz.
- Wir setzen uns für die Zulassung von Frauen zum Amt der
Diakonin, sowie für die Zulassung von Frauen und Verheirateten zum Priesteramt
ein.
- Wir verweigern Geschieden-Wiederverheirateten und
Mitgliedern anderer christlicher Kirchen die Eucharistie nicht.
Wir hoffen, dass durch das Angehen der strukturellen
Probleme unserer Kirche der Blick endlich wieder frei wird für die wirklich
großen Probleme unserer Welt von heute. Wir arbeiten für eine Kirche, die im
Blick auf die Armen, Ausgegrenzten und Bedrängten unserer Gesellschaft, glaubwürdig das Evangelium verkündet und dem Heil der
Menschen dient.